Hinter den Kulissen von "Spiel für dein Land"

von Nicole Janke

Sechs Prominente und Moderator Jörg Pilawa stehen bei "Spiel für dein Land" vor der Kamera - hinter den Kulissen arbeiten allein am Showtag rund 120 Leute, von deren Einsatz der Zuschauer nichts mitbekommt. Bevor am Samstag um 20.15 Uhr die Eurovisions-Hymne ertönt, die das größte TV-Quiz Europas eröffnet, haben Techniker, Regisseure, Redakteure, Kameraleute, Lichtdoubles, Fahrer, Caterer und Computerspezialisten alle Abläufe minutiös durchgeplant und durchgeprobt, damit bei der Live-Show nichts schief geht. Bereits zwölf Tage vor der Sendung beginnt in Studio G in Berlin-Adlershof der Aufbau der Technik und der Showkulisse. Für den reibungslosen Ablauf ist Aufnahmeleiter Götz Theilen verantwortlich. Zusammen mit seinem Team plant und organisiert er die Produktion, schreibt die Dispo, koordiniert die verschiedenen Gewerke und tüftelt an den Reiseplänen für die Prominenten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland. Am Sendetag laufen in seinem Büro alle Fäden zusammen.

Perfekte Teamarbeit bei "Spiel für dein Land"

Fragen bis Showbeginn geheim

Zwei Tage vor der Sendung starten die "heißen Proben". Dann ist auch Moderator Jörg Pilawa dabei. Doch richtig rund geht es erst am Showtag selbst. Ab 14 Uhr ist das gesamte Team startklar. Nur der Moderator und die Promis dürfen ein bisschen später kommen - sie werden in der ersten Probe noch von den Lichtdoubles ersetzt. Kameras, Licht und Ton werden gecheckt und eingerichtet sowie eine ganze Fragerunde durchgespielt - natürlich nicht mit Fragen aus der Show, denn die sind bis zum Sendungsbeginn streng geheim. Selbst Jörg Pilawa kennt sie nicht und ist froh darüber. Mittlerweile ist der Quiz-Spezialist eingetroffen und lässt sich von seiner langjährigen Maskenbildnerin Corinna Puttlitz mit Creme und Puder für seinen Einsatz vor der Kamera schick machen. "Ich hätte Schiss, mich zu verplappern, wenn ich die Fragen vorher kennen würde", verrät der Fernsehprofi. "Außerdem rate ich selbst gern mit und will spontan sein." Dass er in wenigen Stunden vor einem Millionenpublikum in drei Ländern eine große Show moderiert, sieht er gelassen. "Die Aufregung kommt erst, wenn die Eurovisions-Hymne erklingt. Das ist immer ein besonderer Moment. Die hab ich ja als Kind schon gehört", erzählt Pilawa.

14 Studiokameras im Blick

Bei der zweiten Proberunde stehen dann die Promis im Studio. Regisseurin Alexandra Farrensteiner hat jetzt zwei Baustellen auf einmal: Zum einen begrüßt sie die Gäste im Studio und geht mit ihnen die Abläufe durch, zum anderen kontrolliert sie alles im Ü-Wagen. Der mit Technik vollgepackte Sattelschlepper ist ein mobiles Studio, von dem aus die Sendung auf die heimischen Fernsehgeräte übertragen wird. Farrensteiner trägt eine große Verantwortung. Sie leitet den Liveschnitt und muss sicherstellen, dass die Sendung wie geplant ins Bild gesetzt wird. Über ein Headset ist sie mit den Kameramännern, der Set-Aufnahmeleitung und dem Bildmischer verbunden. Auf großen Monitoren hat sie jede Einstellung der 14 Studiokameras im Blick. Die energische Regisseurin gibt klare Anweisungen: "Fahr ran, fahr ran", erinnert sie bei der Probe einen Kameramann und merkt auch an, dass die Showtreppe unbedingt noch geputzt werden muss. Mit im Wagen sitzen um die zehn Bild- und Tontechniker, die ihre Stressresistenz schon bei vielen Live-Sendungen bewiesen haben: "Das schlimmste wäre, wenn nachher drei Kameras gleichzeitig ausfielen", lacht Farrensteiner.  

Mit Stepptanz und Rap das Publikum anheizen

Warm-Upper René Travnicek macht Faxen auf der Bühne. © NDR Fotograf: Nicole Janke

René Travnicek gehört zu den bestgebuchten Warm-Uppern in der TV-Branche.

Im Foyer sind mittlerweile die 450 Zuschauer angekommen - 150 aus jedem Land. Zwei junge Frauen aus Wien haben die Eintrittskarten bei einem Gewinnspiel ergattert und sind mit einem Nachtbus angereist. Nach acht Stunden Fahrt haben sie sich Berlin angeschaut und freuen sich darauf, zum ersten Mal Gast in einer TV-Show zu sein. Die Gästebetreuer erinnern sie daran, dass das Handy im Studio komplett ausgeschaltet sein muss. Und dann geht es auch schon rein. Die Zuschauer entern ihren Block, jedes Land hat seinen eigenen. Damit die Stimmung schon zu Beginn der Liveshow voller Energie ist, heizt Warm-Upper René Travnicek den Gästen ordentlich ein. Dass das Fernsehpublikum ihn gar nicht zu Gesicht bekommt, stört ihn nicht. "Ich bin viel freier als der Moderator. Der muss sich ja an jede Menge Vorgaben halten", erzählt der geborene Entertainer und legt los. Travnicek beginnt mit einem Rap auf Jörg Pilawa, verpackt die Bekanntgabe der Verhaltensregeln in einen witzigen Stepptanz und bringt das Publikum zum Kochen - genau die richtige Temperatur für den Auftritt Jörg Pilawas: Die Show beginnt. Jetzt ist bei allen Mitarbeitern höchste Konzentration gefragt.

60 Server stehen bereit

Computerspezialisten vor den Bildschirmen im Control-Center. © NDR Fotograf: Nicole Janke

Die drei Mitarbeiter links übertragen die Ergebnisse der App- und Onlinequizzer auf den Studio-Monitor von Jörg Pilawa.

Im Control-Center herrscht jetzt absolute Ruhe. Hier sitzen 16 Mitarbeiter, die dafür sorgen, dass das Zusammenspiel mit den Zuschauern klappt, die über die App und online mitquizzen. Für die riesigen Datenmengen stehen 60 Server in Rechenzentren in Dublin und Amsterdam bereit. Bis zu 1,6 Millionen User könnten mitspielen - sicher ist sicher. Drei der Mitarbeiter koordinieren den Austausch mit dem Studio. Sie spielen die Zuschauerergebnisse auf den Bildschirm von Jörg Pilawa. Auch hier darf absolut nichts schief gehen. Dreieinhalb Stunden höchste Konzentration - das schlaucht.

Nach der Sendung winkt eine Belohnung: die Aftershow-Party. Jetzt fällt die Anspannung, die bei so einer großen Live-Show wie "Spiel für dein Land" besonders hoch ist, von allen ab. Manche drehen noch richtig auf, andere machen sich nach einem langen Arbeitstag dann doch bald auf den Heimweg.

Dieses Thema im Programm:

Das Erste | Spiel für dein Land | 23.01.2016 | 20:15 Uhr

Stand: 24.01.16 11:24 Uhr